Das Wichtigste in Kürze
- „Gefälscht“ oder „kein Original“ ist eine Tatsachenbehauptung. Stimmt sie nicht, ist sie nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt.
- Bei „Betrug“ kommt es auf den Zusammenhang an: als konkreter Vorwurf angreifbar, als zugespitzte Kritik am Preis meist zulässig.
- Amazon kann die Echtheit nicht selbst prüfen. Rechnungen aus der Lieferkette, Seriennummern oder Zertifikate machen den Unterschied.
Der Vorwurf „Fälschung“
Wer schreibt, ein Produkt sei gefälscht, ein Plagiat oder „kein Original“, behauptet eine Tatsache. Ob sie stimmt, lässt sich prüfen: über die Herkunft der Ware, die Lieferkette und die Merkmale des Originals. Trifft der Vorwurf nicht zu, ist er eine unwahre Tatsachenbehauptung, und die schützt die Meinungsfreiheit nicht.
Solche Vorwürfe wiegen schwer. Käufer meiden ein Produkt, bei dem von Fälschungen die Rede ist, und auch Amazon nimmt Hinweise auf Fälschungen ernst. Ein unberechtigter Vorwurf sollte deshalb nicht einfach stehen bleiben.
Erst prüfen: Kann der Vorwurf stimmen?
Nicht jeder Fälschungsvorwurf ist aus der Luft gegriffen. Bevor Sie ihn angreifen, sollten Sie ausschließen, dass der Käufer einen nachvollziehbaren Grund hatte:
- Andere Händler auf derselben Produktseite. Verkaufen auch andere Händler über Ihre Produktseite, kann der Käufer bei einem von ihnen gekauft haben.
- Neue Verpackung oder Charge. Ein geändertes Design oder eine neue Produktionscharge sieht für Käufer manchmal wie eine Fälschung aus.
- Verwechslung. Der Käufer vergleicht mit einem anderen Modell oder einer anderen Marke.
Liegt der Grund bei einem anderen Händler, ist das zugleich ein Anlass, gegen dessen Angebot vorzugehen. Liegt er in einer neuen Verpackung, hilft ein Hinweis in der Produktbeschreibung, künftige Missverständnisse zu vermeiden.
So belegen Sie die Echtheit
Amazon kann nicht selbst nachprüfen, ob Ihre Ware echt war. Die Meldung muss deshalb zeigen, woher die Ware stammt. Hilfreich sind:
- Rechnungen des Herstellers oder eines autorisierten Lieferanten,
- als Markeninhaber Unterlagen zu Ihrer Marke und Ihrer Produktion,
- Seriennummern, Chargen oder Merkmale, an denen sich Originale erkennen lassen,
- Prüfberichte und Zertifikate, etwa zu Materialien,
- Codes aus dem Transparency-Programm von Amazon, wenn Sie daran teilnehmen. Mit ihnen lässt sich die Echtheit einzelner Einheiten prüfen.
Ohne Beleg steht Aussage gegen Aussage. Je klarer Sie zeigen können, dass die Ware aus einer sauberen Lieferkette stammt, desto besser sind die Aussichten.
Der Vorwurf „Betrug“
Bei „Betrug“, „Betrüger“ oder „Abzocke“ kommt es auf den Zusammenhang an:
| Aussage in der Bewertung | Einordnung (in der Regel) |
|---|---|
| „Für den Preis ist das reiner Betrug.“ | zugespitzte Meinung über den Preis, meist zulässig |
| „Abzocke, die Qualität ist das Geld nicht wert.“ | Meinung, meist zulässig |
| „Der Händler verkauft gebrauchte Ware als neu. Betrug!“ | Tatsachenbehauptung, angreifbar, wenn sie nicht stimmt |
| „Betrüger, Geld genommen und nie geliefert.“ | Tatsachenbehauptung, angreifbar, wenn sie nicht stimmt; bewertet außerdem die Bestellung statt des Produkts |
| „Die positiven Bewertungen hier sind alle gekauft.“ | Tatsachenbehauptung, angreifbar, wenn sie nicht stimmt |
Wer einem Unternehmen ein konkretes unredliches Verhalten vorwirft, muss sich daran messen lassen, ob es stimmt. Wird das Wort dagegen erkennbar nur als drastische Kritik verwendet, schützt die Meinungsfreiheit auch harte Worte.
So gehen Sie vor
- Sichern: Screenshot der Bewertung mit Datum und Link.
- Zitieren: Die Stelle mit dem Vorwurf wörtlich festhalten.
- Belegen: Unterlagen zur Herkunft der Ware zusammenstellen.
- Melden: Eine unwahre Behauptung ist ein Rechtsverstoß. Sie lässt sich als rechtswidriger Inhalt melden oder mit einer begründeten Beanstandung angreifen, nicht nur über „Missbrauch melden“.
So hilft AMZDelete
AMZDelete markiert Bewertungen mit Vorwürfen wie „gefälscht“, „Plagiat“ oder „Fake“ als schweren Vorwurf, Wörter wie „Betrug“ oder „Abzocke“ als rufschädigend, und hebt die Stelle im Text hervor. Beim Auftrag können Sie angeben, was stattdessen stimmt und welche Belege Sie haben. Unsere Partnerkanzlei prüft, ob der Vorwurf als unwahre Tatsachenbehauptung angreifbar ist, und beanstandet die Bewertung mit Zitat und Beleg bei Amazon. Sie zahlen nur, wenn sie danach entfernt ist.
Häufige Fragen
Muss ich beweisen, dass meine Ware echt ist?
Damit Amazon handelt, sollten Sie es zumindest belegen können. Je besser die Unterlagen zur Herkunft, desto höher die Chance, dass Amazon die Bewertung entfernt.
Was, wenn der Käufer bei einem anderen Händler gekauft hat?
Dann kann der Vorwurf aus seiner Sicht berechtigt sein. Ob die Bewertung trotzdem angreifbar ist, hängt vom Einzelfall ab. Gegen gefälschte Angebote anderer Händler können Sie als Markeninhaber gesondert vorgehen.
Ist „Fake“ dasselbe wie „Fälschung“?
Meist ja. „Fake-Produkt“ oder „billiger Fake“ behauptet in der Regel, dass es sich nicht um das Original handelt. Gemeint sein kann aber auch schlechte Qualität. Entscheidend ist, wie ein Leser die Aussage versteht.
Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine rechtliche Prüfung im Einzelfall. Ob sich eine Bewertung angreifen lässt, prüft bei AMZDelete unsere Partnerkanzlei.